GB_02.2026

02 / 2026 • www.geruestbauhandwerk.de 24 Fachtagung Arbeit und Gesundheit Im Rahmen des EU-Förderprogramms „Wandel der Arbeit“ engagiert sich die Bundesinnung Gerüstbau in einem Arbeits- und Gesundheitsschutzprojekt, für das intern der Name „Gerüst- bau-Gesund“ gewählt wurde. Nun fand in Berlin eine erste Fachtagung unter dem Titel „Arbeit und Gesundheit“ statt. Rund 50 Vertreter der beteiligten Verbände, von Pilotbetrieben sowie weiteren Projektpartnern kamen Mitte März im Van der Valk Hotel Berlin-Brandenburg zusammen, um sich mit unterschiedlichen Aspekten des betrieblichen Gesundheitsschutzes zu befassen. Eröffnet und moderiert wurde die Veranstaltung von Sascha Lohman, dem Projektverant- wortlichen beim Hauptantragsteller, der Firma BASIKNET. Auch Gerüstbauunternehmer Andreas Krebs, stellvertretender Leiter des Arbeitskreises Technik der Bundesinnung sowie Geschäftsführer einer der Pilotbetriebe, kam im Rahmen der Begrüßung zu Wort. Beide stellten heraus, dass es bei der Fachtagung vor allem um Methoden und Hintergründe des Gesundheitsschutzes sowie des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) zum Erhalt der Gesundheit und Arbeitskraft der Beschäftigten gehen werde. Dass betrieblicher Gesundheitsschutz ein weites Feld darstellt, machte etwa der Impulsvortrag „Sucht verstehen – Leben retten“ von Sozialpädagogin und Suchtberaterin Alina Meyer-Riad deutlich. Sucht, so die Expertin, ist längst eine anerkannte Krankheit und in der Familie, im Freundeskreis sowie am Arbeitsplatz weitaus häufiger anzutreffen, als vermutet. Dies führe häufig zu einer Stigmatisierung der Betroffenen, die gerade in ihrer Situation eigentlich eine hohe Aufmerksamkeit und auch professionelle Hilfe benötigen würden. Auch der gesellschaftsübliche Konsum von Alkohol müsse in diesem Zusammenhang genannt werden, so Meyer-Riad, weshalb die Weltgesundheitsorganisation (WHO) psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol auch in ihren weltweit kodifizierten Diagnoseschlüssel ICD-10 aufgenommen hat. Suchterkrankungen gehören neben Depression und Angstpsychosen zu den häufigsten psychischen Krankheitsbildern, so die Expertin. Neben substanzgebundenen Süchten gebe es aber auch die Form der Verhaltenssüchte. Hierzu zählen insbesondere Glücksspiel, Arbeitssucht oder Essstörungen. Was bedeutet das nun für den betrieblichen Gesundheitsschutz? Wichtig ist es, so die Expertin, Suchtprobleme nicht als Willensschwäche abzutun, sondern als Krankheit im Sinne der WHO-Kriterien zu akzeptieren. Im anschließenden Fachblock betrachtete zunächst Sascha Lohmann eine alltagstypische Situation aus der Baubranche, nämlich die pa- rallele Abwicklung mehrerer Baustellen. Hier sind Zeitdruck, Versorgungsengpässe mit Material, Verzögerungen oder anderweitige Störungen quasi vorprogrammiert. Als tückisch erweist sich vor allem die Tatsache, dass selbst ein optimal angelegtes Zeitmanagement durch die Beeinflussung Dritter gestört werden kann. So entstehen Zwangssituationen, die Stress und Hektik und in der Folge auch weitreichende Fehler verursachen können. Stress und Hektik zählen daher auch zu den psychischen Belastungen, die in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen sind. HinBetrieblicher Gesundheitsschutz Fotos: © BASIKNET/Ines Goetsch

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