Prävention kann Leben retten Warum Baustellen ohne Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator ein unkalkulierbares Risiko sind Im Juli 2020 passierte in Düsseldorf das Unfassbare: Arbeiter stemmten Durchbrüche in eine tragende Wand im Erdgeschoss eines Hauses. Die Wand stürzte ein und mit ihr das gesamte Gebäude. Zwei Bauarbeiter, 35 und 39 Jahre alt, wurden unter den Trümmern begraben und verloren ihr Leben. Fünf Jahre später endete der Prozess. Die Architektin, der Bauleiter und ein Subunternehmer erhielten Bewährungsstrafen. Der Vorwurf: Gravierende Fehler, fehlende Verantwortung und vor allem das Fehlen eines Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinators (SiGeKo). Hätte ein SiGeKo den Unfall in Düsseldorf verhindern können? Ein Gutachter im Prozess wurde gefragt: "Wäre einem Sicherheitskoordinator aufgefallen, dass die tragende Wand Einschnitte ohne Abstützung hatte?" Seine Antwort: "Ja. Denn ein SiGeKo hätte die Baupläne geprüft, die Gefahr erkannt und die Risiken an die Verantwortlichen weitergeleitet." Genau dafür gibt es die Rolle des Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinators: • Risiken frühzeitig erkennen • präventive Maßnahmen einfordern • die Sicherheit von Beschäftigten koordinieren und überwachen „Da würden beim SiGeKo die Alarmglocken läuten“, sagte der Sachverständige. Warum der SiGeKo so wichtig ist Baustellen sind hochdynamische Arbeitsumgebungen: Zahlreiche Gewerke arbeiten gleichzeitig oder nacheinander, oft unter enormem Zeitdruck und mit engen Budgets. In diesem Spannungsfeld kann ein kleiner Fehler oder ein übersehener Arbeitsschritt schwerwiegende, manchmal sogar tödliche Folgen haben. Genau hier setzt die Arbeit des Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinators an. Er ist die zentrale Schnittstelle, die dafür sorgt, dass Sicherheitsfragen nicht zwischen Architekt, Bauleiter, Subunternehmern und Handwerkern verloren gehen. Sein Blick richtet sich nicht nur auf das Heute, sondern auch auf die kommenden Schritte: • Welche Gefährdungen entstehen durch parallele Arbeiten? • Wo müssen Schutzmaßnahmen abgestimmt werden? • Welche Risiken sind schon auf den Bauplänen erkennbar? Die Tätigkeit eines SiGeKo ist daher weit mehr als reine Formalität oder Bürokratie. Sie bedeutet gelebte Prävention: • Baupläne frühzeitig prüfen und kritische Stellen markieren • Gefährdungen realistisch bewerten und Lösungen einfordern • Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan erstellen und sichtbar auf der Baustelle aushängen 16 Arbeitssicherheit
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