Verbindung von Planung und Realität VDI gründet neuen Fachausschuss: Behaviour Based Safety als verbindendes Element. Mit der Gründung eines neuen Fachausschusses greift der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) eine der zentralen Herausforderungen moderner Arbeitsschutzprozesse auf: die systematische Verzahnung von technischer Sicherheit, organisatorischer Verantwortung und realem Arbeitsverhalten. Ziel ist es, eine fachlich fundierte, praxisnahe und haftungssichere Grundlage für die Weiterentwicklung sicherheitsrelevanter Standards zu schaffen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der Erarbeitung einer praxisnah umsetzbaren Behaviour Based Safety (BBS)-Richtlinie. BBS fokussiert auf beobachtbares Verhalten, situative Einflussfaktoren und die Rolle der Führung im unmittelbaren Arbeitsprozess, also genau auf das, womit Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatoren (SiGeKo) auf Baustellen täglich befasst sind. Anders als rein dokumentenbasierte Ansätze richtet sich BBS auf erkennbare Muster der betrieblichen Realität: Risikogewöhnung, termingetriebene Abkürzungen, Kommunikationsabbrüche und informelle Routinen. Durch strukturierte Beobachtungen und kurze, gezielte Feedbackschleifen entsteht ein realistisches Bild, das tatsächliche Abläufe ergänzend zu Plänen, Unterlagen und Protokollen ansetzt oder diese erweitert. Genau hier schließt BBS eine Lücke, die in der SiGeKo-Praxis regelmäßig sichtbar wird. Der SiGeKo hat eine klar definierte Rolle in Planung und Koordination der Arbeitssicherheit über alle Gewerke hinweg, einschließlich der Unterlage für spätere Arbeiten. Viele sicherheitsrelevante Ereignisse entstehen jedoch nicht in der Planung oder in der Dokumentation, sondern in der konkreten Ausführung vor Ort auf der Baustelle. Ein intelligent angewendetes BBS könnte sichtbar machen, wie tatsächlich gearbeitet wird und wo Abweichungen zwischen Planungsstand und Realbetrieb auftreten. Für die SiGeKo-Praxis bedeutet das insbesondere: • präzisere praxisbezogene Einschätzung realer Gefährdungslagen • frühzeitige Identifikation kritischer Verhaltensmuster • belastbarere Koordination zwischen Gewerken auf Basis beobachteter Risiken • mehr Transparenz über Führungsverhalten und Sicherheitsklima • bessere gerichtsfeste Argumentation durch nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen Der neue VDI-Fachausschuss verbindet damit zwei sicherheitsrelevante Ebenen, die in der Praxis häufig getrennt betrachtet werden: systemische Sicherheitsplanung und beobachtbares Verhalten im Arbeitsprozess. Diese Kombination schafft einen Mehrwert für alle Rollen mit Verantwortung, insbesondere für Projektverantwortliche, Bauleitungen, SiGeKo und auch Unternehmerpflichten. 26 Meldungen
RkJQdWJsaXNoZXIy MjY5NTE=