GB_02.2026

zu kurz gegriffen. Kurzfristig wirksam sind mehrsprachige Unterlagen, Piktogramme, praktische Demonstrationen, Wiederholungsunterweisungen und die Benennung erfahrener Beschäftigter als Mentoren. Mittelfristig lohnt sich eine Strategie, die sprachliche und kulturelle Weiterbildung fördert und anerkennt, dass Integration Zeit, Ressourcen und Steuerung braucht. 4. Informelle Messenger Gruppen ohne Regeln Viele Konflikte spielen sich heute in inoffiziellen Chatgruppen ab, die der Unternehmensführung kaum bekannt sind. Anstatt diese zu verbieten (was in der Praxis kaum durchzusetzen ist), sollten Unternehmen klare Regeln für betriebsbezogene digitale Kommunikation definieren. Dazu gehört eine Regelung, ob es offizielle Unternehmensgruppen gibt, welche Inhalte dort zulässig sind, wie mit Fotos und Videos umgegangen wird und welche Mindeststandards für respektvolle Kommunikation auch digital gelten. 5. Fehlende Rückkopplung und Evaluation Viele Betriebe reagieren situativ: Es kommt ein Vorfall, man spricht mit den Beteiligten, vielleicht wird jemand versetzt – und damit ist das Thema erledigt. Eine nachhaltige Mobbingprävention erfordert dagegen, Muster zu erkennen. Das bedingt ein Mindestmaß an systematischer Datenerfassung: Wo häufen sich Konflikte? In welchen Bereichen sind Fluktuation und Fehlzeiten besonders hoch? Welche internen oder externen Hinweise zu Mobbing gab es in den letzten Jahren? Erst wenn solche Daten regelmäßig ausgewertet und in Führungsentscheidungen einbezogen werden, entsteht eine Lernschleife, die strukturelle Verbesserungen ermöglicht. Fazit: Mobbingprävention als integraler Bestandteil moderner Sicherheitskultur im Gerüstbau Mobbing am Arbeitsplatz ist im Gerüstbau kein Nebenthema, sondern ein direkt sicherheitsrelevanter Faktor. Wo Mitarbeitende systematisch entwürdigt, ausgegrenzt oder eingeschüchtert werden, sinkt die Bereitschaft, auf Gefahren hinzuweisen, Fehler zuzugeben und Verantwortung zu übernehmen. Schweigen tritt an die Stelle von offener Kommunikation, Rückzug an die Stelle von Kooperation, innere Kündigung an die Stelle von Engagement. In einem Umfeld, in dem Fehler schwerwiegende Unfälle und langfristige Gesundheitsschäden nach sich ziehen können, ist das ein untragbares Risiko. Für Unternehmer, Führungskräfte und Sicherheitsfachkräfte im Gerüstbau ergibt sich daraus eine klare Handlungsaufforderung: Mobbing gehört in den Kern der betrieblichen Steuerung, nicht an den Rand. Das bedeutet, psychische Belastungen inklusive Mobbing konsequent in die Gefährdungsbeurteilung zu integrieren, klare Regeln und Verfahren zu etablieren, Führungskräfte zu qualifizieren, belastbare Kommunikations- und Beschwerdestrukturen aufzubauen und digitale Kommunikationswege mit einzubeziehen. Ein Unternehmen, das Mobbing strukturell angeht, verbessert nicht nur das subjektive Wohlbefinden der Beschäftigten. Es erhöht die Arbeitssicherheit, reduziert Fehlzeiten, stärkt die Bindung von Fachkräften und positioniert sich als attraktiver Arbeitgeber in einem angespannten Markt. Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob man sich das „leisten kann“, sondern ob man es sich leisten kann, es nicht zu tun. 14 02 / 2026 ARBEITSSICHERHEIT Nils Bücker, geboren 1981, ist Gerüstbauermeister, geprüfter Betriebswirt (HwO) und Fachkraft für Arbeitssicherheit. Die Ausbildung zum Gerüstbauer beendete er 2003 bei der HWK zu Dortmund und arbeitete anschließend als Monteur und Kolonnenführer. 2008 wechselte er in die Bauleitung. Sein Wirkungsradius erstreckte sich vom klassischen Fassadengerüst über Industriegerüste im Raffinerie- und Energiesektor bis hin zu Sonderkonstruktionen aus Arbeits- und Schutzgerüsten in Kombination mit Traggerüst- elementen für Brückensanierungen. Seit 2018 beschäftigt er sich intensiv mit den Fragen rund um den Arbeitsschutz im Gerüstbau. Tomshöfer + Partner • Nils Bücker Zu den Kämpen 2a • D-44791 Bochum Tel. +49 234 5880733 • Mobil +49 152 08926191 n.buecker@ingenieure-am-werk.de • www.ingenieure-am-werk.de Jetzt zum E-Mail-Newsletter anmelden und mit noch mehr Informationen auf dem Laufenden bleiben: https://bernheine-medien.de/newsletter-bestellen/ Anzeige

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