GB_02.2026

8 02 / 2026 Mobbing am Arbeitsplatz Wie innere Strukturen im Gerüstbau über Sicherheit, Gesundheit und Fachkräfte entscheiden Mobbing am Arbeitsplatz ist längst kein Randphänomen mehr, sondern ein strukturelles Risiko für Sicherheit, Produktivität und Arbeitgeberattraktivität – gerade in hochriskanten Branchen wie dem Gerüstbau. Es berührt nicht nur das Betriebsklima, sondern greift unmittelbar in die Organisation von Arbeit, in Verantwortlichkeiten und in die Sicherheitskultur ein. In einer Branche, in der Entscheidungen unter Zeitdruck, höhenbedingte Risiken und komplexe Auftragsketten den Alltag bestimmen, entscheidet der Umgang mit Mobbing faktisch darüber, ob Menschen sicher arbeiten, ob sie gesund bleiben und ob Unternehmen langfristig Fachkräfte binden können. Während vor etwa 25 Jahren Mobbing vor allem als „zwischenmenschliches Problem“ einzelner Personen betrachtet wurde, hat sich der Blick inzwischen deutlich verschoben. Heute steht stärker im Vordergrund, dass Mobbing überwiegend das Resultat ungünstiger Rahmenbedingungen ist: ein verdichtetes Arbeitsaufkommen, unklare Zuständigkeiten, mangelhafte Führung und kulturell heterogene Teams ohne klare Integrationsstrategie. Parallel hat sich die Arbeitswelt stark verändert. Rationalisierung, zunehmender Preis-/ Leistungsdruck, eine fein verzweigte Subunternehmerlandschaft und die allgegenwärtige Nutzung digitaler Kommunikationsmittel haben auch im Gerüstbau neue Konfliktfelder geschaffen. Wo früher Konflikte auf dem Hof oder auf der Baustelle ausgetragen wurden, verlagern sie sich heute zusätzlich in Messenger Gruppen und soziale Netzwerke und sind für Betroffene oft rund um die Uhr präsent. Aktuelle Studien wie z. B. der Mobbing-Report 2024 des BMAS (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) zeigen, dass ein relevanter Anteil der Beschäftigten im deutschsprachigen Raum systematische, andauernde Anfeindungen, Ausgrenzungen oder Schikanen am Arbeitsplatz erlebt. Betroffen sind überproportional häufig jüngere Beschäftigte, Menschen mit Migrationshintergrund, Personen in Leih- oder Zeitarbeit sowie Beschäftigte in körperlich belastenden, arbeitsintensiven Branchen. Genau diese Konstellation findet sich im Gerüstbau in verdichteter Form: ein hoher Anteil zugewanderter Fachkräfte, vielfach wechselnde Baustellen, kurze Projektzyklen, großer Termin- und Kostendruck und ein traditionell eher rauer Umgangston. Damit ist die Branche prädestiniert dafür, dass ungelöste Konflikte in Mobbingdynamiken kippen, wenn ihnen nicht durch klare innerbetriebliche Strukturen und eine tragfähige Führungskultur entgegengewirkt wird. Vor diesem Hintergrund ist Mobbingprävention nicht „nice to have“, sondern Bestandteil eines modernen, ganzheitlichen Arbeitsschutzes. Für Unternehmer, Ingenieure, Sicherheitsfachkräfte und Führungskräfte im Gerüstbau bedeutet dies, Mobbing nicht als individuelles Problem einzelner Betroffener zu betrachten, sondern als organisatorische Aufgabe, die in Gefährdungsbeurteilung, Aufbau- und Ablauforganisation, Führungsleitlinien und Sicherheitskultur systematisch verankert werden muss. Was Mobbing im Gerüstbau konkret bedeutet Unter Mobbing werden in der Fachliteratur und in den einschlägigen Arbeitsschutzinformationen systematische, über einen längeren Zeitraum wiederholte feindselige Handlungen verstanden, die auf Degradierung, Ausgrenzung oder Einschüchterung einer Person abzielen. Entscheidend ist nicht die einmalige Auseinandersetzung, sondern das Muster: wiederholt, zielgerichtet, mit einem spürbaren Macht- oder Abhängigkeitsgefälle. Typische Elemente sind abwertende Bemerkungen, Gerüchte, Informationsvorenthaltung, lächerlich machen vor Kollegen, Zuweisung besonders unangenehmer oder gefährlicher Arbeiten, Ausschluss aus Kommunikationskanälen bis hin zu offenen Drohungen. Im Gerüstbau treten solche Verhaltensweisen häufig eingebettet in alltägliche Abläufe auf. Ein Monteur wird konsequent den schmutzigsten oder körperlich schwierigsten Tätigkeiten zugeteilt, ohne nachvollziehbaren Grund. Neue oder jüngere Mitarbeitende werden gezielt aus informellen Gesprächsrunden ausgeschlossen, erhalten wichtige Informationen zur BaustelARBEITSSICHERHEIT Anzeige Gerüstbau · Hebetechnik · Maschinenbau · Stahlbau Teupe. Kann nicht jeder. www.teupe.de

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