GB_02.2026

9 02 / 2026 lenorganisation nicht oder erst sehr spät. Beschäftigte, die auf Sicherheitsdefizite hinweisen, werden vor der Kolonne lächerlich gemacht, mit Sprüchen wie „Stell dich nicht so an“ oder „Früher haben wir ohne das alles auch gearbeitet“ übergangen oder offen in Frage gestellt. Was nach „Männerwitz“ oder „rauer Ton“ aussehen mag, kann in Summe eine systematische Degradierung sein, mit gravierenden psychischen und organisatorischen Folgen. Die rechtliche und präventionsbezogene Perspektive ist dabei klar: Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht und sind verpflichtet, Leben und Gesundheit der Beschäftigten zu schützen, physisch wie psychisch. Mobbing fällt damit nicht in die Kategorie „Privatsache“, sondern ist ein Risiko, das in den betrieblichen Arbeitsschutz und die Gestaltung der Arbeitsbedingungen einbezogen werden muss. Insbesondere psychische Belastungen durch Konflikte, Arbeitsverdichtung, Unsicherheit und feindselige Kommunikation sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu betrachten und durch geeignete organisatorische, technische und personenbezogene Maßnahmen zu minimieren. Soziale Strukturen im Gerüstbauunternehmen: Wo Konflikte entstehen – und warum sie eskalieren Kolonnenlogik und informelle Hierarchien Die soziale Architektur eines Gerüstbaubetriebs wird maßgeblich durch Kolonnen bestimmt. Kolonnenführer, langjährige Monteure, Bauleiter bilden formelle und informelle Machtzentren. Auf der Baustelle wird festgelegt, wer welche Arbeiten übernimmt, wer mit wem zusammenarbeitet und in welchem Ton sich Teams begegnen. Naturgemäß entwickelt jede Kolonne eine eigene Mikrokultur mit gemeinsamen Routinen und Verhaltensnormen. Problematisch wird dies, wenn diese Kultur nicht an klare betriebliche Leitlinien gebunden ist. Ohne definierte Regeln des respektvollen Umgangs, ohne verbindliche Kommunikation zu Mobbing und ohne systematische Führungskräftequalifizierung können Kolonnenführer faktisch zu unkontrollierten Autoritäten werden. Sie entscheiden dann in der Praxis darüber, wer dazugehört, wer ausgegrenzt wird und welches Verhalten toleriert wird. Gerade wenn Kolonnen auf externen Baustellen weitgehend autonom agieren, entsteht eine Lücke zwischen der formulierten Unternehmenskultur und der tatsächlich gelebten Praxis. In einer solchen Konstellation ist der Weg von einem fachlichen Konflikt zu persönlicher Feindseligkeit oft kurz. Unzufriedenheit mit Leistung, abweichende Auffassungen zu Sicherheit oder schlicht Sympathien und Antipathien werden nicht moderiert, sondern über abwertende Kommentare, Gerüchte, Benachteiligungen bei der Arbeitsverteilung oder direkte Ausgrenzung ausgetragen. Für Betroffene ist es schwierig, sich zu wehren: Sie sind auf die Beurteilung durch den Kolonnenführer angewiesen, was Einsatzplanung, Baustellenzuweisung und spätere Beurteilungen betrifft. Unklare Zuständigkeiten und widersprüchliche Anweisungen Eine weitere typische Konfliktquelle im Gerüstbau sind unklare Zuständigkeiten zwischen Disposition, Bauleitung, Kolonnenführung und Geschäftsführung. In der Praxis kommt es oft vor, dass Anweisungen „von oben“ auf der Baustelle relativiert oder ignoriert werden, dass Informationen zur Planung nur teilweise weitergegeben oder kurzfristig geändert werden oder dass Schnittstellen (z. B. zwischen Gerüstbauunternehmen und anderen Gewerken) nicht sauber geklärt sind. Dieser Mix führt zu Missverständnissen, Doppelarbeiten und Fehlern – und damit zu Frust. Wenn dieser Frust nicht strukturell adressiert wird (z. B. durch klare Abläufe, Feedbackschleifen, Besprechungsstrukturen), schlägt er oft in personenbezogene Konflikte um. „Der da unten stellt sich an“, „die da oben haben ARBEITSSICHERHEIT www.peri.de Schalung Gerüst Engineering Die Bauweise mit dem Easy Stiel überzeugt auf ganzer Linie:  Nahezu keine Kupplungen  Spaltfreies Bauen  Integrierte Abhebesicherung  Basisausgleiche flexibel ausbildbar  Einfache Umsetzung verschiedener Breiten  Flexible Anpassung bei komplexen Geometrien Jetzt informieren Mit Sti(e)l zum Ziel. Die passende Lösung für Ihre Fassadenprojekte. Anzeige

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