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3 04 / 2026 EDITORIAL/ INHALT Sehr geehrte Leserinnen und Leser, in dieser Ausgabe starten wir eine Technik-Reihe in mehreren Teilen und zeigen einmal sehr detailliert an einem Beispiel die Aufgabenstellung und Arbeitsvorbereitung einer Gerüstbau-Mischkonstruktion mit Material- und Personenaufzügen sowie später die Ausführung und Besonderheiten am gleichen Projekt. Außerdem lernen Sie die organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen für den Einsatz von Drohnen im Gerüstbau kennen, die Vorteile und erste Schritte zum digitalen Büro sowie Informationen der Gerüsthersteller und vieles mehr. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen. Ihr Team von DER GERÜSTBAUER » Technik: Formen-Vielfalt..................................................4 » Arbeitssicherheit: Drohneneinsatz im Gerüstbau...........10 » Praxis: Wenn Stückwerk zum Kompliment wird..............16 » Digitalisierung: Weg vom Papier.....................................18 » Recht: Arbeitsrecht-Reform 2026..................................20 » Soka: Rückgang der Beschäftigung im Inland................22 » Bildungszentren: Freisprechungen Gerüstbauer............26 » Die Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk informiert.......................................................................28 » Hersteller Informationen................................................33 » Veranstaltung: Moderne Höhenzugangstechnik.............46 » Dienstleister................................................................... 47 » Marktplatz......................................................................48 » Termine..........................................................................50 Beate Bernheine Verlag: fachverlag bernheine UG (haftungsbeschränkt) Postfach 210 625, 41432 Neuss Tel. 02137-932248 Fax 02137-932247 info@bernheine-medien.de www.bernheine-medien.de Verlagsleitung: Beate Bernheine Einzelheftpreis/ Nachbestellung: 5,50 Euro zzgl. Porto IMPRESSUM Erscheinungsweise: sechsmal jährlich Layout: Maritta Gorgs Titelbild: Alimak Group Deutschland GmbH Freie Autoren: Dipl.-Ing. Heiko Tomshöfer, Nils Bücker Copyright: fachverlag bernheine UG. Alle Rechte vorbehalten. Die Redakteure der einzelnen Artikel sind für ihre Inhalte selbst verantwortlich. Kürzungen vorbehalten.
4 04 / 2026 Formen-Vielfalt Sanierung einer Hochhausfassade als Mischkonstruktion aus GerüstbauTraggerüstbau, Mastkletterbühnen-Gerüstaufzügen und Seilarbeitsbühnen. Teil 1: Aufgabenstellung und Arbeitsvorbereitung Zugangs-, Arbeits- und Sanierungsgerüste gehören zum Leistungsspektrum der Gerüstbaubranche. Dabei gibt es viele mögliche Formen von Sonder- und Spezialgerüsten, bei denen Systemmaterial, systemfreies Material, Sonderteile in Stahl-, Aluminium- und Holzbauweise usw. zum Einsatz kommen können. Oft werden die Gerüstkonstruktionen dann noch mit Material- oder Personenaufzügen in allen möglichen Größen und Ausführungen kombiniert, um die notwendige Material-, Personen- oder Baustellenlogistik zur Durchführung der örtlichen Arbeiten zu ermöglichen und sicherzustellen. Das kann durch den Einsatz von Seilarbeitsbühnen oder Mastkletterbühnen sinnvoll ergänzt werden, was nachfolgendes Beispiel verdeutlichen soll. Bestandsbauwerk Das Colonia Hochhaus in Köln gehört mit 42 bis 45 Stockwerken und einer architektonischen Bauhöhe von ca. 147 m zu den höchsten, vorwiegend zu Wohnzwecken, genutzten Gebäuden in Deutschland. Das Bauwerk wurde 1972 eröffnet und verkörpert den damaligen Zeitgeist mit gehobener Wohnkultur, kombiniert mit einer grandiosen Aussicht auf den Rhein und die Umgebung, was die Einstufung als denkmalgeschütztes Gebäude 2013 bis 2015 unter anderem wegen der geschichtlichen und städtebaulichen Relevanz unterstreicht (Abb. 1). Kurzbeschreibung Sanierungsarbeiten Sowohl die ca. 5 km langen Balkonbrüstungen aus Waschbeton als auch die Fassade selbst werden dabei umfangreich unter Beachtung des Denkmalschutzes saniert bzw. erneuert. Dabei kommt es unter anderem z. B. bei den Balkonbrüstungen in Abstimmung mit der Denkmalbehörde zu einem Materialwechsel. Anstelle von schwerem Beton wird nun eine wesentlich leichtere Aluminium-Glas-Konstruktion verwendet, in der die Struktur der Waschbetonplatten „eingestanzt“ ist, um die Gesamtwirkung der Fassade zu erhalten. TECHNIK Abb. 1: Seitenansicht der Fassade des Colonia Hochhaus, Köln Quelle: Ingenieure Tomshöfer & Partner Bochum Abb. 2: Vorderansicht des Colonia Hochhaus, Köln, mit Vordachkonstruktion und Schutznetzkonstruktion, Quelle: Ingenieure Tomshöfer & Partner Bochum
Kurzbeschreibung Standort und Umgebungssituation Das Gebäude hat eine direkte Verkehrsanbindung zur Hauptstraße mit Grüngürtel bis zum Rhein und direkt angrenzenden Nebengebäuden, wie z. B. das angebaute Parkhaus mit direktem Zugang vom Hochhaus. Ergänzend wird der Zugang durch ein Glas-Stahldach geschützt, was die Anforderungen für die notwendige Höhenzugangstechnik zur Durchführung der geplanten Sanierungsarbeiten deutlich erhöht (Abb. 2). Kurzbeschreibung Aufgabenstellung Die tonnenschweren Waschbetonbrüstungen des Bestands werden bauseitig demontiert und mit bauseitigen Krananlagen auf dem Dach des Hochhauses ausgehoben. Die Balkone selbst werden für die Aufnahme der „neuen“ Brüstungselemente bauseitig vorbereitet und gegebenenfalls instandgesetzt. Die neuen Brüstungselemente müssen eingehoben und in fertiger Arbeit montiert werden. Die angrenzenden Fassadenflächen als auch die umlaufende Fassade wird gereinigt bzw. saniert. TECHNIK Anzeige Abb. 3: Grundriss des Colonia Hochhaus, Köln Quelle: Ingenieure Tomshöfer & Partner Bochum • Schnelle, einfach Montage • Deckt Brüstungsbreiten von bis zu 80 cm ab • Aufgrund der stabilen Bauart mit Gitterträgern bis 5 m Länge kombinierbar • Maximale Arbeitsbreite bei Dacharbeiten durch den außenliegenden Rohrstutzen • Auch bei Balkonarbeiten einsetzbar (Fußspindel nicht im Lieferumfang enthalten) GELOG Attika-Brüstungsklemme Spannweite bis 80 cm www.gelog-system.de • Tel. 02935 9686790 • info@gelog-system.de Animations lm NEU Spannweite bis 30 cm
6 04 / 2026 Die Sanierungsarbeiten werden im bewohnten Zustand – also im Betriebszustand des Gebäudes – mit Aufrechterhaltung bzw. Freihaltung der angrenzenden öffentlichen Verkehrsflächen soweit möglich durchgeführt. Es müssen umlaufend alle Bereiche der Fassade auf der Gesamthöhe von ca. 147 m höhenzugangstechnisch unter Beachtung der Betriebssicherheitsverordnung und/oder der TRBS 2121 etc. sicher erreichbar und zur Ausübung der notwendigen Sanierungsarbeiten als Arbeitsraum geeignet ausgebildet sein (Abb. 3). Wie man der Abbildung 3 entnehmen kann, ist der Grundriss als auch die angrenzende Bebauung als komplex zu bezeichnen, was zu innovativen Lösungsansätzen (Abb. 4-11) wie folgt geführt hat: 1. Einsatz von flächenorientierten Mastkletterbühnen mit verschiebbaren Böden 2. Einsatz von Seilarbeitsbühnen in schwer zugänglichen Nischenbereichen 3. Einsatz von aufsteigenden Gerüsten mit Netzverkleidung, einer Aufbauhöhe von H = ca. 120 m und einem Etagenhöhenabstand von H1 = ca. 2,75 m 4. Einsatz von Material- und Personenaufzügen mit H = ca. 120 m 5. Einsatz von Traggerüsten zur Aufnahme von Vertikal- und Horizontallasten aus den notwendigen Mastkletterbühnen als auch den notwendigen Arbeitsgerüsten und Zugängen 6. Einsatz von Überbrückungs- und Lastverteilträgern, um z. B. die Deckenstrukturen des Bestandbauwerkes nicht zu überlasten 7. Einsatz von Standgerüsten als Arbeitsraum und als Höhenzugang 8. Einsatz einer Schutztunnelebene zum Schutz Dritter in den Personen- und Straßenverkehrsbereichen. TECHNIK Abb. 4: Isometrische Vorder- und Rückansicht des Colonia Hochhaus, Köln, mit Darstellung der umlaufenden Höhenzugangstechnik, Quelle: Ingenieure Tomshöfer & Partner Bochum Abb. 6: Isometrische Darstellung des Dachbereichs Nr. 2 des Colonia Hochhaus, Köln, mit Darstellung der umlaufenden Höhenzugangstechnik Quelle: Ingenieure Tomshöfer & Partner Bochum Abb. 5: Isometrische Darstellung des Dachbereichs Nr. 1 des Colonia Hochhaus, Köln, mit Darstellung der umlaufenden Höhenzugangstechnik Quelle: Ingenieure Tomshöfer & Partner Bochum
Arbeitsvorbereitung Wie bereits erwähnt, wurde das Gebäude in den 70er Jahren gebaut und 1972 in Betrieb genommen. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Ausführungsplanung traditionell von Hand mit Zeichenbrett, Taschenrechner und Tusche unter Beachtung der damaligen Vorschriften und Regelwerke erstellt und in Form von Transparent- und/oder Papierzeichnungen übergeben bzw. archiviert. Von einer digitalen Speicherung oder gar einem BIM-Projekt war man noch Jahrzehnte entfernt. Der Sorgfaltspflicht der Eigentümergemeinschaft dankend, sind über die Jahrzehnte umfangreiche Teile der Ausführungsplanung als auch der Ausführungsstatik erhalten geblieben und konnten so den Mitwirkenden für die Planung der Sanierungsarbeiten zur Verfügung gestellt werden, was eine Entwurfsplanung zur Durchführung der beschriebenen Balkonbrüstungs- und Fassadensanierung erst möglich gemacht hat. Im Verlauf der umfangreichen Sichtung der Bestandsunterlagen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurde den Fachleuten der Firma Odendahl GmbH aus Köln schnell klar, dass die Darstellung des Gesamtbauwerkes als 3D-Modell sinnvoll ist, um die notwendige Ausführungsplanung der umlaufenden Höhenzugangstechnik zeitgemäß darzustellen und mit allen Beteiligten abzustimmen. Dazu wurden die bauseitig zur Verfügung gestellten Bestandsunterlagen ausgewertet, teilweise durch örtliche Kontrollmessungen überprüft und in einem ifc-Modell 3-dimensional dargestellt (Abb. 4-11). Während der örtlichen Kontrollmessungen zeigten sich teilweise baupraktische Abweichungen des Ist-Zustandes zum Soll-Zustand nach Ausführungsplanung, welche weitestgehend durch die 3D-Planung erkannt und direkt nach Prüfung der realen Maße vor Ort in das 3D-Arbeitsmodell eingearbeitet werden konnten bzw. durch eine Konstruktionsanpassung kompensiert wurde. Das so erstellte 3D-Arbeitsmodell war bei gleichzeitiger Beachtung und Verwendung von klassischen 2D-Ausführungszeichnungen die Basis für die konzeptionelle Darstellung der notwendigen Höhezugangstechnik. Dabei wurde die Höhenzugangstechnik als auch die Schaffung des notwendigen Arbeitsraumes bauseitig in zwei Hauptbereiche aufgeteilt: 1. Mastkletterbühnen mit verschiebbaren Böden geplant und realisiert durch die Alimak Group Deutschland GmbH, Eppingen 2. Arbeitsgerüste, Traggerüste, Schutztunnel, Material- und Personenaufzüge, Seilarbeitsbühnen, Zugangsgerüste etc. geplant und realisiert durch die Odendahl GmbH, Köln TECHNIK www.peri.de Schalung Gerüst Engineering Die Bauweise mit dem Easy Stiel überzeugt auf ganzer Linie: Nahezu keine Kupplungen Spaltfreies Bauen Integrierte Abhebesicherung Basisausgleiche flexibel ausbildbar Einfache Umsetzung verschiedener Breiten Flexible Anpassung bei komplexen Geometrien Jetzt informieren Mit Sti(e)l zum Ziel. Die passende Lösung für Ihre Fassadenprojekte. Anzeige Abb. 7: Isometrische Prinzipdarstellung – Aufnahme der Seilarbeitsbühnen im Dachbereich Nr. 1 des Colonia Hochhaus, Köln Quelle: Ingenieure Tomshöfer & Partner Bochum
8 04 / 2026 Abstimmung und Koordination Wie man den Abbildungen 4-7 entnehmen kann, ist die geplante Höhenzugangstechnik als vielfältig zu bezeichnen. Dies führt zwangsweise zu fachübergreifender Abstimmung und Koordination, welche das nachfolgende Beispiel verdeutlichen soll. Die Abbildung 11 zeigt die notwendige Gerüstkonstruktion der Nordseite, welche auf dem Dach des angrenzenden Parkhauses steht. Da es sich um ein Parkhausdach handelt, ist die Dachkonstruktion natürlich nicht zur Aufnahme von mehreren Tonnen Vertikallast aus aufsteigendem Gerüst, Mastkletterbühnen, Gerüstaufzug, Arbeitsgerüst etc, geeignet. Um das Aufstellen der Höhenzugangstechnik überhaupt möglich zu machen, wurde eine Lastverteilebene in Traggerüstbauweise geschaffen, welche die auftretenden Vertikal- und Horizontallasten aufnimmt und in den tragfähigen Bereich des Bestandbauwerkes – dargestellt durch Betonstützen, Mauern etc. – weiterleitet (Abb. 12-13). TECHNIK Abb. 11: Isometrische Darstellung Nordseite Colonia Hochhaus Köln mit Darstellung der Höhenzugangstechnik / Traggerüst / Schutztunnel / Zugängen etc. Quelle: Ingenieure Tomshöfer & Partner Bochum Abb. 8: Isometrische Darstellung der Südseite des Colonia Hochhaus, Köln, mit Darstellung der Höhenzugangstechnik Quelle: Ingenieure Tomshöfer & Partner Bochum Abb. 9: Isometrische Darstellung der Ostseite des Colonia Hochhaus, Köln, mit Darstellung der Höhenzugangs- technik Quelle: Ingenieure Tomshöfer & Partner Bochum Abb. 10: Isometrische Darstellung der Westseite des Colonia Hochhaus, Köln, mit Darstellung der Höhenzugangstechnik, des Traggerüst, des Schutztunnel, der Zugänge etc. Quelle: Ingenieure Tomshöfer & Partner Bochum PLANUNG, BERATUNG, SCHULUNG UND GUTACHTEN IM GERÜSTBAU Ingenieure Tomshöfer und Partner Zu den Kämpen 2a • 44791 Bochum Tel. 0234-5880733 • Fax 0234-5880734 info@ingenieure-am-werk.de www.ingenieure-am-werk.de Anzeige
Anzeige TECHNIK Heiko Tomshöfer, geboren 1970, ist Stahlbauingenieur, Schweißfachingenieur und Korrosionsschutzbeauftragter. Seit 1998 liegt sein Aufgabenschwerpunkt bei Sonderkonstruktionen in den Bereichen Traggerüstbau, Stahlbau und Mischkonstruktionen aus Arbeits- und Schutzgerüsten in Kombination mit Traggerüstelementen. 2016 gründete er das Ingenieurbüro Tomshöfer & Partner mit dem Motto „Aus der Praxis für die Praxis“. Das Dienstleistungsangebot hat den Schwerpunkt Statik und Konstruktion in allen Bereichen des Gerüstbaus inklusive Beratung, Schulung und der Möglichkeit, Sonderteile wirtschaftlich sinnvoll herzustellen. Tomshöfer + Partner • Dipl.-Ing. Heiko Tomshöfer Zu den Kämpen 2a • D-44791 Bochum • Tel. +49 234 5880733 info@ingenieure-am-werk.de • www.ingenieure-am-werk.de Abb. 12: Draufsicht Traggerüstebene der Nordseite des Colonia Hochhaus, Köln Quelle: Ingenieure Tomshöfer & Partner Bochum Abb. 13: Draufsicht Lasteinleitungspunkte der Schnittstelle Traggerüst/Baubestand der Nordseite des Colonia Hochhaus, Köln Quelle: Ingenieure Tomshöfer & Partner Bochum Die Abbildungen 12-13 zeigen die Komplexität der Traggerüstkonstruktion in Abstimmung mit der notwendigen Höhenzugangstechnik, als auch der örtlichen Gründungstragfähigkeit des Baubestandes, der im zweiten Teil des Beitrages genauer betrachtet wird. Fördern Sie den Nachwuchs für das Dachdeckerhandwerk! Mit dem neuen Mal- und Rätselheft für Kinder können Sie schon die Kleinen für das Dachdeckerhandwerk begeistern: • Kinder lernen vielfältige Alltagssituationen Ihres Handwerks kennen und können dabei rätseln und ausmalen. • Mit Ihren Stempel auf der Heftrückseite machen Sie auch auf Ihr Unternehmen aufmerksam – auf Messen, Veranstaltungen etc. Für weitere Informationen melden Sie sich bitte hier: Beate Bernheine• Tel. 02137 932248 info@bernheine-medien.de NEU: Mal- und Rätselheft für das Dachdeckerhandwerk
10 04 / 2026 Drohneneinsatz im Gerüstbau Ein modernes Werkzeug zwischen Arbeitsvorbereitung, Sicherheit und Recht Der Einsatz von Drohnen im Gerüstbau hat sich von einer technischen Spielerei zu einem ernst zu nehmenden In- strument der betrieblichen Praxis entwickelt. Wo früher aufwendige Begehungen, unsichere Sichtprüfungen oder ungenaue Schätzungen den Planungsprozess bestimmten, kann heute ein Blick aus der Luft innerhalb kurzer Zeit belastbare Informationen liefern. Die Drohne ersetzt dabei weder die Erfahrung des Gerüstbauers noch die fachliche Beurteilung des Sachverständigen, sie erweitert aber den Blick auf das Bauwerk und schafft eine deutlich bessere Datenbasis für Planung, Kalkulation und Ausführung. Gerade im Gerüstbau liegt der Nutzen von Drohnen auf der Hand. Fassaden, Dachkanten, schwer zugängliche Gebäudeteile oder komplexe Bauwerksgeometrien lassen sich mit einem geeigneten Fluggerät schnell und detailliert erfassen. Das spart Zeit, reduziert Gefährdungen bei der Vor-Ort-Erkundung und verbessert die Qualität der Arbeitsvorbereitung. Allerdings gilt auch hier: Wer die Drohne gewerblich einsetzen will, muss mehr beachten als nur die Bildqualität der Kamera. Fachliche Eignung, rechtliche Sicherheit, Datenschutz, organisatorische Abläufe und eine klare Verantwortungsstruktur gehören untrennbar dazu. Mehr als nur schöne Bilder Auf den ersten Blick erscheint der Nutzen vor allem optisch: Die Drohne liefert hochauflösende Luftbilder, Panoramen und bei entsprechender Verarbeitung auch dreidimensionale Rekon- struktionen von Bauwerken. In der Praxis steckt jedoch weit mehr dahinter. Aus den Daten lassen sich Maße ableiten, Höhenverhältnisse prüfen, Dachüberstände beurteilen und Pro- blemstellen frühzeitig erkennen. Damit wird die Drohne zu einem Werkzeug der digitalen Arbeitsvorbereitung. Besonders wertvoll ist dies bei Objekten, die vom Boden aus nur eingeschränkt einsehbar sind. Dazu zählen etwa hohe Fassaden mit Vorsprüngen, Innenhöfen, schwer zugänglichen Dachflächen, historische Gebäude oder Bauwerke im innerstädtischen Raum. Der Planer gewinnt nicht nur ein besseres Verständnis für das Objekt, sondern kann bereits vor der Montage Aussagen zu Ankerpunkten, Zugängen, Abfangungen oder Sonderkonstruktionen treffen. Das erhöht die Planungssicherheit und kann spätere Nachträge oder Änderungen reduzieren. Auch im Rahmen der Dokumentation ist der Drohneneinsatz hilfreich. Schäden, bauliche Besonderheiten oder Veränderungen am Objekt können vor, während und nach der Gerüststellung sauber dokumentiert werden. Das ist bei späteren Rückfragen, bei der Abnahme oder auch in haftungsrechtlich sensiblen Fällen von großem Wert. Leistungsvoraussetzungen der Mitarbeitenden Der gewerbliche Einsatz von Drohnen steht und fällt mit dem Personal. Ein Mitarbeiter, der eine Drohne fliegt, benötigt mehr als technisches Interesse. Gefragt ist eine Kombination aus sicherer Bedienkompetenz, bautechnischem Verständnis und einem klaren Bewusstsein für rechtliche und organisatorische Grenzen. Der Drohnenpilot im Gerüstbau sollte in der Lage sein, nicht nur das Fluggerät zu beherrschen, sondern auch die erfassten Bilder in den baulichen Zusammenhang einzuordnen. Zunächst ist die technische Eignung erforderlich. Dazu gehört der sichere Umgang mit dem Fluggerät, mit Steuerung, Kameraführung, Akkumanagement und Software zur Datenspeicherung oder Auswertung. Ein gutes Fluggefühl allein reicht nicht aus. Wer beruflich mit Drohnen arbeitet, muss sich auch mit Wetterbedingungen, Reichweiten, Signalstörungen und Notfallfunktionen auskennen. Insbesondere Wind, Böen und eng bebaute Umgebungen verlangen konzentriertes und umsichtiges Handeln. Hinzu kommt die fachliche Eignung im Sinne des Gerüstbaus. Der Mitarbeiter muss erkennen können, welche baulichen Details für die Gerüstplanung relevant sind. Dazu zählen Dachformen, Vorsprünge, Attiken, Anbauten, Fassadengliederungen, Öffnungen, Auflagerflächen und mögliche Behinderungen durch angrenzende Bauwerke. Ein Bild ist nur dann nützlich, wenn es fachlich richtig gelesen wird. Die Qualität des Ergebnisses hängt daher nicht allein von der Kamera ab, sondern auch vom baulichen Verständnis des Auswertenden. Nicht zuletzt braucht es persönliche Zuverlässigkeit. Der Umgang mit Bilddaten, die Beachtung von Sperrbereichen, die Einhaltung von Abstimmungen und die sorgfältige Dokumentation setzen eine verantwortungsbewusste Arbeitsweise voraus. In vielen Betrieben ist es sinnvoll, eine klar benannte verantwortliche Person für den Drohneneinsatz zu bestimmen, die sowohl Flugvorbereitung als auch Datensicherung und Abstimmung mit dem Bauherrn oder Eigentümer koordiniert. Rechtlicher Rahmen Der gewerbliche Betrieb von Drohnen ist in Deutschland und der Europäischen Union rechtlich klar geregelt. Maßgeblich sind vor allem die europäischen Vorgaben zur UAS-Nutzung (unbemannte Luftfahrtsysteme), sowie die nationalen Ergänzungen, insbeARBEITSSICHERHEIT
sondere aus dem Luftverkehrsrecht. Für den betrieblichen Alltag bedeutet das: Ein Drohneneinsatz darf nicht einfach spontan erfolgen, sondern muss in ein rechtskonformes Verfahren eingebettet werden. Zentral ist zunächst die Frage der Betriebskategorie. Die meisten Einsätze werden in der offenen Kategorie stattfinden, sofern die dort festgelegten Bedingungen eingehalten werden. Dazu gehört unter anderem der Sichtflug, die Einhaltung von Höhen- und Gewichtsgrenzen sowie bestimmte Anforderungen an den Abstand zu unbeteiligten Personen. Sobald diese Bedingungen nicht mehr ausreichen, kann eine Einordnung in die spezielle Kategorie nötig werden, die regelmäßig eine vorherige Genehmigung oder ein genehmigungsfähiges Betriebskonzept erfordert. Für den Betreiber ist außerdem die Registrierung beim Luftfahrt-Bundesamt erforderlich, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen, insbesondere bei Kameradrohnen oder bei Geräten, die personenbezogene Daten erfassen können. Die Registrierung führt zur Betreiberkennung, die an der Drohne angebracht werden muss. Zusätzlich benötigen Fernpiloten je nach Einsatzprofil einen passenden Kompetenznachweis. Wer sich auf gewerblichem Niveau bewegt, sollte diese Anforderungen nicht als Formalität betrachten, sondern als Grundlage rechtssicherer Arbeit. Ebenso wichtig ist die Versicherung. Eine geeignete Haftpflichtversicherung für den gewerblichen Drohneneinsatz ist unerlässlich. Der Betrieb mit Kamera, über fremden Grundstücken oder im Umfeld von Bauvorhaben bringt Risiken mit sich, die über den üblichen privaten Gebrauch deutlich hinausgehen. Ein fehlender Versicherungsschutz kann im Schadensfall zu erheblichen wirtschaftlichen Folgen führen. Die Frage der Anmeldung des Fluges ist in der Praxis besonders wichtig, weil der Flugort oft über die Genehmigungspflicht entscheidet. Nicht jeder Einsatz muss bei einer Behörde angemeldet werden, aber viele Flüge im gewerblichen Umfeld erfordern zumindest eine sorgfältige Prüfung der örtlichen Gegebenheiten. Entscheidend ist, ob sich das Vorhaben innerhalb eines geografischen UAS-Gebiets befindet oder ob sonstige Einschränkungen greifen. Geografische UAS-Gebiete können zum Beispiel in der Nähe von Flughäfen, Hubschrauberlandeplätzen, militärischen Anlagen, Justizvollzugsanstalten, kritischer Infrastruktur oder anderen sensiblen Bereichen bestehen. Auch dicht bebaute Stadtlagen können besondere Anforderungen mit sich bringen. In solchen Fällen ist vorab zu prüfen, ob eine Freigabe, eine Anzeige oder eine Genehmigung erforderlich ist. Häufig ist die zuständige Luftfahrtbehörde des jeweiligen Bundeslandes der richtige Ansprechpartner. Für bundesweite Grundlagen und Betreiberregistrierungen ist das Luftfahrt-Bundesamt zuständig. Im betrieblichen Alltag empfiehlt sich ein festes Prüfverfahren: Vor jedem Einsatz wird der Flugort mit einer aktuellen UAS-Karte oder den einschlägigen Informationssystemen abgeglichen, anschließend wird dokumentiert, ob Einschränkungen vorliegen. Dieser Schritt sollte fest in den internen Ablauf aufgenommen werden. Nur so lässt sich vermeiden, dass eine gut gemeinte Bestandsaufnahme in ein rechtliches Problem mündet. Bei Flügen über oder an privaten Grundstücken stellt sich regelmäßig die Frage nach der Zustimmung. Aus praktischer Sicht ist sie in vielen Fällen dringend zu empfehlen, auch wenn nicht jeder einzelne Flug automatisch eine gesonderte schriftliche Erlaubnis verlangt. Sobald gezielt ein Gebäude beflogen wird, insbesondere im Zusammenhang mit Angebotsaufnahme, BestandsdokuARBEITSSICHERHEIT Schalung Gerüst Engineering PERI UP Cladding. Lässt nur eins durch – Licht! Die Einhausung aus dem PERI UP Gerüstbaukasten. Lichtdurchlässig und dennoch blickdicht. Leichte Einzelpaneele. Montage erfolgt im Innenbereich des Gerüsts. Schützt nach außen und nach innen, selbst bei Schlagregen. Jetzt informieren www.peri.de Anzeige
12 04 / 2026 mentation oder Schadensbewertung, sollte die Zustimmung des Eigentümers oder des Verfügungsberechtigten vorliegen. Das hat mehrere Gründe. Erstens schafft die Zustimmung Rechtssicherheit und verhindert spätere Missverständnisse. Zweitens berührt der Drohneneinsatz häufig nicht nur das Grundstück selbst, sondern auch die Privatsphäre von Bewohnern, Mietern oder Nachbarn. Drittens wird durch die Einwilligung klar geregelt, zu welchem Zweck die Aufnahmen erstellt und verwendet werden dürfen. Gerade wenn Fotos, Videos oder 3D-Modelle weitergegeben, archiviert oder in Angeboten genutzt werden sollen, ist eine saubere Dokumentation der Freigabe sinnvoll. Besondere Vorsicht ist dort geboten, wo Wohnbereiche, Innenhöfe, Gärten oder andere private Rückzugsräume erfasst werden könnten. Auch wenn die Drohne primär für die Bauwerksaufnahme eingesetzt wird, kann schon die unbeabsichtigte Mitaufnahme von Personen oder privaten Details datenschutzrechtliche Fragen auslösen. Deshalb gehört zur guten Praxis, den Eigentümer nicht nur um Erlaubnis zu bitten, sondern den Umfang der Nutzung klar zu definieren. Datenschutz und Persönlichkeitsrechte Der Drohnenflug ist nicht nur ein luftrechtliches, sondern auch ein datenschutzrechtliches Thema. Sobald Personen erkennbar aufgenommen werden oder Rückschlüsse auf individuelle Lebensverhältnisse möglich sind, greifen die Grundsätze des Datenschutzrechts. Das betrifft vor allem Flüge über bewohnte Grundstücke, in Innenstädten oder in dicht bebauten Quartieren. Für den Gerüstbaubetrieb bedeutet das: Bilddaten dürfen nur zweckgebunden verarbeitet werden. Sie sollten ausschließlich für den vereinbarten betrieblichen Zweck eingesetzt werden, etwa für Aufmaß, Planung, Dokumentation oder Schadensanalyse. Eine unkontrollierte Weitergabe oder ein späterer Zweckwechsel ist rechtlich problematisch. Hinzu kommt die Pflicht zur sicheren Speicherung und Löschung, wenn der Zweck erreicht ist oder keine Aufbewahrung mehr erforderlich ist. Besonders wichtig ist die Sensibilität beim Umgang mit personenbezogenen Aufnahmen. Auch wenn die Kamera auf die Fassade gerichtet ist, können Personen, Fahrzeuge, Kennzeichen oder Innenbereiche miterfasst werden. Deshalb sollte schon bei der Flugplanung darauf geachtet werden, unnötige Aufnahmen zu vermeiden und den Aufnahmebereich möglichst eng zu begrenzen. Eine klare interne Arbeitsanweisung ist hier ebenso hilfreich wie die Schulung der Mitarbeitenden. Die Gefahren im praktischen Einsatz So nützlich Drohnen auch sind, so klar müssen die Risiken benannt werden. Der Einsatz in der Nähe von Baustellen, Gerüsten und Gebäuden bringt besondere Gefahren mit sich. Dazu gehört zunächst das technische Risiko eines Absturzes durch Bedienfehler, Akkuprobleme, Signalverlust oder Störungen an der Steuerung. Ein Absturz in belebter Umgebung kann Personen gefährden und Sachschäden verursachen. Hinzu kommt das Kollisionsrisiko. Auf Baustellen sind häufig Krane, Leitungen, Baugerüste, Gerätschaften oder andere Hindernisse vorhanden. In engen innerstädtischen Situationen ist der Luftraum oft stärker begrenzt, als es auf den ersten Blick scheint. Schon kleine Fehlbewegungen können zu Schäden am Fluggerät oder am Bauwerk führen. Besonders bei windigem Wetter, in Böen oder bei ungünstigen thermischen Verhältnissen steigt das Risiko deutlich. Auch die Ablenkung auf der Baustelle darf nicht unterschätzt werden. Eine Drohne zieht Aufmerksamkeit auf sich. Mitarbeiter, Bauherrn, Anwohner oder Passanten beobachten den Flug, machen Fotos oder bewegen sich unkoordiniert in den Bereich. Der Pilot muss deshalb nicht nur die Drohne selbst, sondern auch das Umfeld im Blick behalten. Ein klar abgesperrter Bereich, abgestimmte Kommunikation und eine eindeutige Zuständigkeit sind deshalb unverzichtbar. Leistungsgrenzen und organisatorische Regeln Der sichere Drohneneinsatz braucht feste Grenzen. Dazu zählt zunächst die klare Entscheidung, unter welchen Bedingungen geflogen wird und unter welchen nicht. Stark windige Tage, Regen, schlechte Sicht oder ein unübersichtliches Umfeld sind keine geeigneten Einsatzbedingungen. Wer den Einsatz erzwingen will, riskiert Fehler und Schäden. Ebenso wichtig ist die organisatorische Einbindung. Der Drohneneinsatz sollte nicht als spontane Zusatzaufgabe nebenbei erfolgen, sondern als geplanter Arbeitsschritt mit Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung. Dazu gehört eine kurze Einsatzprüfung vor Ort, die Definition des Aufnahmeziels, die Benennung des Verantwortlichen und die Dokumentation der gewonnenen Daten. Bei größeren Projekten empfiehlt sich eine Checkliste, die vor jedem Flug durchlaufen wird. Aus Sicht der betrieblichen Praxis ist außerdem sinnvoll, die Drohne in die vorhandenen Prozesse der Arbeitsvorbereitung einzubinden. Dann wird sie nicht als Fremdkörper wahrgenommen, sondern als Werkzeug zur Verbesserung von Qualität und ARBEITSSICHERHEIT Anzeige Gerüstbau · Hebetechnik · Maschinenbau · Stahlbau Teupe. Kann nicht jeder. www.teupe.de
ARBEITSSICHERHEIT Wirtschaftlichkeit. Gerade in Verbindung mit digitaler Planung entfaltet sie ihren eigentlichen Wert. Vom Luftbild zum digitalen Aufmaß Der eigentliche Mehrwert beginnt nach dem Flug. Erst in der Auswertung wird aus dem Bildmaterial ein verwertbares Planungsinstrument. Moderne Software kann aus einer Vielzahl von Einzelaufnahmen ein dreidimensionales Modell erzeugen. Diese Methode, meist im Zusammenhang mit Photogrammmetrie genutzt, erlaubt eine präzise Rekonstruktion von Oberflächen, Formen und Abmessungen. Für den Gerüstbau ist das digitale Aufmaß von besonderer Bedeutung. Maße, Höhen, Dachneigungen, Fassadenabschnitte oder Vorsprünge lassen sich aus dem Modell ableiten und in die Planung übernehmen. Das reduziert Unsicherheiten und erleichtert die Kalkulation. Statt auf grobe Schätzungen angewiesen zu sein, kann der Betrieb auf eine belastbare Datenbasis zurückgreifen. Gerade bei komplexen Gebäuden oder bei Projekten mit Sonderkonstruktionen ist das ein erheblicher Vorteil. Auch die Nachverfolgung von Änderungen wird einfacher. Wenn sich während der Bauphase bauliche Details verändern oder zusätzliche Anforderungen entstehen, lässt sich das früh erkennen und dokumentieren. So wird die Drohne zu einem Werkzeug, das nicht nur den Ist-Zustand festhält, sondern auch die Weiterentwicklung des Projekts unterstützt. 3D-Modell und Gerüstplanung Aus dem digitalen Aufmaß entsteht im nächsten Schritt das 3D-Modell. Dieses Modell ist nicht bloß eine visuelle Spielerei, sondern eine konkrete Planungsgrundlage. Es ermöglicht, das Bauwerk räumlich zu erfassen und Gerüstsysteme bereits vor der Montage virtuell zu prüfen. Damit können Kollisionspunkte, Anschlussbereiche, Überbrückungen oder besondere Bauwerksformen frühzeitig sichtbar gemacht werden. Gerade im Zuge der 3D-Gerüstplanung bietet diese Methode große Vorteile. Die Planung wird anschaulicher, präziser und oft auch wirtschaftlicher. Montageabläufe lassen sich besser vorbereiten, Materialbedarfe genauer abschätzen und besondere Lösungen gezielter entwickeln. Auch die Kommunikation mit Bauherrn, Architekten oder anderen Gewerken profitiert, weil die geplante Konstruktion verständlicher dargestellt werden kann. Zugleich unterstützt das 3D-Modell die interne Qualitätssicherung. Wenn Planer und Ausführende mit derselben digitalen Grundlage arbeiten, sinkt die Gefahr von Missverständnissen. Die Drohne liefert also nicht nur ein Bild der Fassade, sondern einen Baustein für eine moderne, datenbasierte Projektsteuerung. Ein Leitfaden für den Betrieb Wer den Drohneneinsatz im Betrieb einführen will, sollte schrittweise vorgehen. Zuerst ist zu klären, welche Anwendungsfälle überhaupt sinnvoll sind: Bestandsaufnahme, Schadendokumentation, Aufmaß, Angebotsphase oder Baustellenkontrolle. Danach folgt die Auswahl geeigneter Technik und die Bestimmung der verantwortlichen Mitarbeitenden. Anschließend müssen die rechtlichen Grundlagen, die Registrierung, die Kompetenznachweise und die Versicherungsfragen geklärt werden. Im nächsten Schritt empfiehlt sich eine interne Arbeitsanweisung. Sie sollte regeln, wer fliegen darf, wie der Einsatz vorbereitet wird, welche Genehmigungen einzuholen sind, wie mit Datenschutz umzugehen ist und wie die Daten gespeichert werden. Ebenso wichtig ist die Festlegung, wann ein Einsatz nicht durchgeführt wird, etwa bei ungünstigen Wetterbedingungen oder in sensiblen geografischen Gebieten. Schließlich gehört auch die Auswertung fest in den Prozess. Die gewonnenen Daten sollten nicht einfach abgelegt, sondern aktiv für Aufmaß, Kalkulation, 3D-Modellierung und Gerüstplanung genutzt werden. Erst dann entfaltet sich der wirtschaftliche Mehrwert. Der Drohneneinsatz wird damit vom Einzelereignis zum festen Bestandteil moderner Arbeitsvorbereitung. Anzeige Bönninger Gerüstbau GmbH & Co. KG Graffweg 42a • 44309 Dortmund Telefon: 0231-488788 Ansprechpartnerinnen: Frau Britta Wallbrecher Frau Melanie Bartsch Abhollager Dortmund Telefon: 040-5332880 E-Mail: info@klplanen.de
14 04 / 2026 ARBEITSSICHERHEIT Beispiel Betriebsanweisung „Umgang mit Multikoptern“, Quelle: Ingenieure Tomshöfer und Partner • Bei Anzeigen von Funktionsstörungen den Flugbetrieb unverzüglich einstellen • Bei Mängeln, die die Sicherheit oder die Funktionsfähigkeit beeinträchtigen, den Multikopter nicht in Betrieb nehmen • Mängel der zuständigen Stelle melden, aufgetretene Mängel sind zu beseitigen • Unsachgemäßer und bestimmungswidriger Gebrauch • Defekte Multikopter • Absturz oder herabfallende Teile • Anstoßen an Personen und Gegenstände • Kontakt mit bewegten Teilen (Rotoren) • Stolper- und Rutschgefahr im Arbeitsbereich • Lärm • Brandgefahr durch defekte Akkus • Vor dem Einsatz des Multikopters alle erforderlichen Genehmigungen/Erlaubnisse einholen • Bedienung nur durch entsprechend qualifiziertes Personal (Nachweis erforderlich) • Betriebsanleitung des Herstellers beachten • Multikopter vor dem Einsatz auf erkennbare Mängel prüfen (Funktions- und Sichtprüfung) • Multikopter nur in betriebssicherem Zustand einsetzen • Sichere Abstände zu Personen, Unglücksorten, Katastrophengebieten und anderen Einsatzorten von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben • Umgebungsbedingungen (z. B. Wind, Temperatur, Regen) berücksichtigen • Ständige Kontrolle des umgebenden Luftraums • Sichere Befestigung der Nutzlast/Kamera am Multikopter • Einsatzspezifischen PSA benutzen • Bewegungsfläche des Bedienpersonals frei von Hindernissen halten • Akkuladestand beachten • Betroffene aus dem Gefahrenbereich bergen • Notruf über 112 absetzen, soweit erforderlich • Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten • Selbstschutz beachten • Verletzte betreuen • Unfall intern melden an die Geschäftsleitung Erstellt durch:
Förderimpuls durch die BG BAU Dass der Drohneneinsatz im Gerüstbau längst mehr ist als ein technisches Experiment, zeigt auch ein weiterer Aspekt: Die BG BAU hat das Thema in ihr Förderprogramm aufgenommen. Damit erhält der Einsatz unbemannter Luftfahrtsysteme eine zusätzliche betriebliche Relevanz. Denn wo Arbeitssicherheit, Digitalisierung und effizientere Arbeitsvorbereitung zusammenkommen, steigt auch das Interesse an einer gezielten Unterstützung durch die Berufsgenossenschaft. Für die Betriebe ist das ein wichtiges Signal. Der Einsatz moderner Technik wird nicht nur toleriert, sondern im Sinne einer sicheren und zeitgemäßen Arbeitsweise ausdrücklich mitgedacht. Fazit Die Drohne ist im Gerüstbau kein Ersatz für Erfahrung, sondern ein präzises Hilfsmittel, das Erfahrung ergänzt und erweitert. Sie erleichtert den Blick auf schwierige Bauwerke, verbessert die Planung und kann Risiken in der Vorbereitung deutlich reduzieren. Doch genau darin liegt auch die Verantwortung: Wer Drohnen gewerblich einsetzt, muss die rechtlichen, organisatorischen und technischen Anforderungen kennen und ernst nehmen. Für den Betrieb entsteht daraus kein Hindernis, sondern eine Chance. Richtig eingeführt, wird der Drohneneinsatz zu einem Baustein effizienter Arbeitsvorbereitung, zu einem Instrument der Dokumentation und zu einem Ausgangspunkt für digitales Aufmaß sowie dreidimensionale Gerüstplanung. Der Blick von oben ersetzt die fachliche Bewertung nicht, aber er verschafft ihr eine neue Qualität. Und gerade das macht ihn für den Gerüstbau so wertvoll. ARBEITSSICHERHEIT Nils Bücker, geboren 1981, ist Gerüstbauermeister, geprüfter Betriebswirt (HwO) und Fachkraft für Arbeitssicherheit. Die Ausbildung zum Gerüstbauer beendete er 2003 bei der HWK zu Dortmund und arbeitete anschließend als Monteur und Kolonnenführer. 2008 wechselte er in die Bauleitung. Sein Wirkungsradius erstreckte sich vom klassischen Fassadengerüst über Industriegerüste im Ra nerie- und Energiesektor bis hin zu Sonderkonstruktionen aus Arbeits- und Schutzgerüsten in Kombination mit Traggerüstelementen für Brückensanierungen. Seit 2018 beschäftigt er sich intensiv mit den Fragen rund um den Arbeitsschutz im Gerüstbau. Tomshöfer + Partner • Nils Bücker Zu den Kämpen 2a • D-44791 Bochum Tel. +49 234 5880733 • Mobil +49 152 08926191 n.buecker@ingenieure-am-werk.de • www.ingenieure-am-werk.de Anzeige AGS lohnt Sich! Einfach schnell. Schneller Auf- und Abbau, effizente Logistik: Das modulare Fassadengerüst AGS ist die wirtschaftliche Lösung für Arbeits-und Schutzgerüste. ags.layher.com
16 04 / 2026 Wenn Stückwerk zum Kompliment wird Gemeinhardt Service baut bei einem Brückenneubau vor und um Zentimeterweise schiebt sich die neue Stolzenaubrücke über die Weser. 130 Meter lang, 25 Meter hoch, 20 Meter breit und rund 1.600 Tonnen schwer. Ein niederländisches Unternehmen, Spezialist für derartig extreme Aufgaben, stützt die Brücke von unten mit Schiffen und Pontons sowie mit einem schwimmenden Kran und zieht das Bauwerk mit Stahlseilen vorsichtig von einem Ufer zum anderen. „Ein kompliziertes Bauwerk“, urteilt Karsten Mohr, Projektleiter von der Stahl- und Anlagenbau Magdeburg GmbH (SAM). Denn die Brücke wurde zunächst auf der einen Weserseite mit allein 60 großen Teilen montiert. Die je Seite fünf Haupt- und Versteifungsträger sowie zehn Bogenteile waren bis zu 28 Meter lang und 60 Tonnen schwer. Dazu kamen weitere 40 Querträger mit einer Länge von 15 Metern. Stück für Stück wurde die Stolzenaubrücke montiert und kaum war ein Brückenabschnitt fertig, wurde der Korrosionsschutz aufgetragen. Dazwischen der Sondergerüstbauer Gemeinhardt Service, der einerseits das Gerüst für die Montage nach und nach vorbauen musste und andererseits fortlaufend für den Korrosionsschutz wieder umbaute, weil die beiden Gewerke unterschiedliche Arbeitsbedingungen benötigen. „Wir haben 13 Sattelzüge gebraucht, um die rund 200 Tonnen Material zur Baustelle zu bringen“, erzählt Ingolf Stuber, Geschäftsführer von Gemeinhardt Service. Über die acht Monate Bauzeit waren die Sachsen sehr oft mit mindestens vier Mann vor Ort, teilweise mit bis zu acht. „Wir haben den Auftrag an Gemeinhardt Service vergeben, weil wir einen verlässlichen Partner für dieses herausfordernde Projekt benötigten“, sagt der Diplom-Ingenieur Mohr. Überzeugt haben die 3D-Konstruktion, die CAD-Planung sowie die Einsatzbereitschaft des Sondergerüstbauers aus Roßwein. „Durch die Gespräche während der Vorplanung bekommt man ein Gefühl, für die Flexibilität und Kompetenz des Partners und ob man überhaupt gut zusammenarbeiten kann“, so der Magdeburger. Dass es auf einer derartigen Baustelle dann doch nicht so läuft wie ursprünglich geplant, war zu ahnen. Durch ungünstige Wetterlagen benötigte der Korrosionsschutz für seine Arbeit eine zusätzliche Einhausung, die das Projekt zeitlich in die Bredouille brachte. “Wir mussten allein 3.500 Quadratmeter Planen zur Baustelle bringen und verbauen, so dass wir rund sechs Wochen länger als geplant vor Ort waren“, sagt Dirk Eckart, ebenfalls Gemeinhardt-Geschäftsführer. Eine schwierige Situation für den mittelständischen Sondergerüstbauer mit seinen 40 Mitarbeitern, der in den vergangenen Jahren mehrfach für seinen detailPRAXIS Ingolf Stuber und Dirk Eckart – beide Geschäftsführer des Sondergerüstbauers Gemeinhardt Service aus Roßwein Die Stolzenaubrücke wurde mit Stahlseilen durch einen schwimmenden Kran vorsichtig von einem Ufer der Weser zum anderen gezogen.
lierte Planung und den effizienten Einsatz von Personal und Material ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem renommierten Ludwig-Erhardt-Preis in Silber und kürzlich dem TEMP-Award. Durch die Verzögerung musste der Gerüstbauer gewaltig umplanen, Personal von anderen Baustellen abziehen, um den rechtzeitigen Abbau in Stolzenau zu bewerkstelligen und außerdem musste zusätzliches Material für die neuen Aufträge eingekauft werden, weil es länger an dem komplizierten Bauwerk an der Weser benötigt wurde. „Letztlich haben wir es auf den Tag genau hinbekommen“, sagt Mohr, „also jederzeit wieder mit Gemeinhardt Service“. „Wir machen alles, was ungewöhnlich ist“, sagt Dirk Eckart: Raumgerüste, Einhausungen, Fußgängerbrücken oder Fluchttreppentürme und vor allem Sondergerüste für Brückensanierung oder -neubau. Eher durch einen unglücklichen Zufall sind die Gerüstbauer aus Roßwein zu diesem Geschäftsfeld gekommen. Denn wegen dem extremen Hochwasser 2002 in Sachsen waren derzeit viele Brücken sanierungsbedürftig. Die vielfältigen Anforderungen bei Brücken benötigen besonderes Know-how und Material: In aller Regel haben die Gerüstbauer es mit zwei Verkehrswegen gleichzeitig zu tun. Denn wenn unter der Brücke eine Straße läuft, darf selbstverständlich nichts runterfallen. Schon gar nicht bei Flüssen und anderen Wasserwegen. Und natürlich spielt der Zeitfaktor immer eine besondere Rolle, denn im Idealfall soll der Verkehr auf und unter der Brücke so schnell wie möglich weiter fließen. Beispielsweise gewährt die Deutsche Bahn keinerlei Termintoleranz: Dauert der Material-Transport und der Aufbau eines Gerüstes länger als geplant, können die Züge nicht fahren und deshalb werden sehr hohe Vertragsstrafen fällig. Auf günstige Gerüstbauer, deren Mitarbeiter fachlich nicht ausgebildet sind und oft zu wenig Deutsch sprechen, um unvorhergesehene Probleme auf der Baustelle schnell zu klären, mag sich kaum ein Auftraggeber verlassen. Die Projektleiter bei Gemeinhardt Service schauen sich das Projekt und die Bedingungen direkt vor Ort an, tauschen mit dem Auftraggeber Gedanken und Lösungen aus, so dass die Angebote eine wesentlich höhere Qualität und Verlässlichkeit beinhalten. In besonders komplizierten Fällen schauen auch mehrere Personen auf die CAD-Planung des Projektleiters, inklusive Materialeinsatz und Transport. „Wenn wir auf einer Nachtbaustelle lediglich zwei Stunden Zeit haben, müssen wir wissen, ob unsere Überlegungen funktionieren“, erklärt Geschäftsführer Ingolf Stuber die detaillierte Vorbereitung. Dabei können sich die Kunden auch auf das hochmotivierte Stammpersonal verlassen. Tatsächlich ist die Fluktuation unter den rund 40 Mitarbeitern des Spezialgerüstbauers im Branchenvergleich gering. Davon 18 ausgebildete Gerüstbauer, zwei Meister und weitere acht geprüfte Kolonnenführer sowie neun Azubis. Pro Jahr investiert das Unternehmen 150.000 Euro in die Weiterbildung. „Wir benötigen hochqualifizierte Mitarbeiter, um einerseits uns durch Arbeitsqualität von Mitbewerbern abzusetzen und andererseits durch Schnelligkeit die höheren Kosten auszugleichen“, sagt Dirk Eckart, denn vor allem bei öffentlichen Ausschreibungen zähle nicht Qualität, sondern „leider“ ausschließlich der Preis. Autor: Jens Gieseler PRAXIS Anzeige AGS lohnt Sich! Einfach sicher. Sicher bei Montage, Demontage und Nutzung: Beim modularen Fassadengerüst AGS ist Arbeitssicherheit automatisch im System integriert. ags.layher.com
18 04 / 2026 Weg vom Papier Das digitale Büro im Gerüstbau In vielen Gerüstbauunternehmen gehört Papier noch immer zum Arbeitsalltag. Angebote werden ausgedruckt, Stundenzettel handschriftlich ausgefüllt, Lieferscheine abgeheftet und Bauakten in Ordnern gesammelt. Diese Arbeitsweise hat sich über viele Jahre bewährt. Doch mit steigenden Anforderungen, knappen Fachkräften und dem Wunsch nach schnelleren Abläufen stößt sie zunehmend an ihre Grenzen. Ein digitales Büro bedeutet nicht, von heute auf morgen komplett auf Papier zu verzichten. Vielmehr geht es darum, Informationen einfacher verfügbar zu machen und Arbeitsabläufe zu erleichtern. Schon kleine Veränderungen können im Alltag viel Zeit sparen. Wo Papier heute noch den Arbeitsalltag bestimmt Im Gerüstbau gibt es zahlreiche Dokumente, die täglich erstellt, weitergegeben oder archiviert werden. Dazu gehören unter anderem: • Angebote und Auftragsunterlagen • Arbeitsaufträge und Bautagesberichte • Bauakten mit Plänen und Fotos • Stundenzettel der Mitarbeiter • Lieferscheine und Materialnachweise • Prüfunterlagen und Dokumentationen • Rechnungen und Zahlungsbelege Oft entstehen dabei mehrere Papierkopien. Ein Dokument wird im Büro erstellt, auf der Baustelle ergänzt und anschließend wieder abgelegt. Muss später eine Information gefunden werden, beginnt häufig die Suche in Ordnern oder verschiedenen Ablagen. Gerade wenn mehrere Baustellen gleichzeitig laufen oder Mitarbeiter im Büro und auf der Baustelle zusammenarbeiten, wird dieser Ablauf schnell unübersichtlich. Warum Papier immer häufiger zum Problem wird Papier verursacht nicht nur Druck- und Archivierungskosten. Vor allem kostet es Zeit. Ein häufiges Beispiel: Ein Kunde ruft an und hat eine Rückfrage zu einem Auftrag. Zunächst muss die passende Bauakte gesucht werden. Anschließend fehlen vielleicht noch der unterschriebene Lieferschein oder das Aufmaß, weil diese Unterlagen noch im Fahrzeug oder auf der Baustelle liegen. Bis alle Informationen vorliegen, vergeht wertvolle Zeit. Auch Änderungen lassen sich auf Papier nur schwer nachvollziehen. Wurde ein Dokument bereits aktualisiert oder liegt noch eine ältere Version im Ordner? Sind alle Beteiligten auf dem gleichen Stand? Solche Fragen führen immer wieder zu Missverständnissen. Hinzu kommt die Fehleranfälligkeit. Handschriftliche Notizen sind manchmal schwer lesbar, Dokumente können verloren geDIGITALISIERUNG
hen oder versehentlich falsch abgelegt werden. Je mehr Papier im Umlauf ist, desto größer wird der organisatorische Aufwand. Weniger Papier bringt spürbare Vorteile Ein digitales Büro sorgt nicht automatisch für weniger Arbeit. Es hilft aber dabei, vorhandene Abläufe einfacher und schneller zu organisieren. Ein großer Vorteil ist der geringere Suchaufwand. Werden Dokumente digital abgelegt, können sie innerhalb weniger Sekunden gefunden werden. Lange Wege zum Aktenschrank oder das Durchblättern mehrerer Ordner entfallen. Auch die Nachvollziehbarkeit verbessert sich deutlich. Alle wichtigen Unterlagen zu einem Auftrag befinden sich an einem zentralen Ort. Angebote, Aufmaße, Fotos, Lieferscheine und Rechnungen gehören zusammen und können jederzeit eingesehen werden. Darüber hinaus lassen sich viele Arbeitsschritte schneller erledigen. Dokumente müssen nicht mehrfach kopiert oder zwischen Büro und Baustelle transportiert werden. Informationen stehen den Mitarbeitern sofort zur Verfügung. Nicht zuletzt sinkt die Fehleranfälligkeit. Einheitliche Ablagen und klar strukturierte Dokumente sorgen dafür, dass weniger Unterlagen verloren gehen oder doppelt bearbeitet werden. Der Einstieg muss nicht kompliziert sein Viele Unternehmer verbinden Digitalisierung mit hohen Investitionen oder umfangreichen Softwareprojekten. In der Praxis gelingt der Einstieg jedoch oft Schritt für Schritt. Ein erster Schritt kann bereits eine einheitliche digitale Ablage sein. Statt Dokumente ausschließlich in Papierordnern abzulegen, werden sie eingescannt und nach einer festen Struktur gespeichert. So finden alle Mitarbeiter wichtige Unterlagen schneller wieder. Auch Scanprozesse lassen sich einfach in den Arbeitsalltag integrieren. Eingehende Lieferscheine, Rechnungen oder Prüfunterlagen können direkt digital erfasst werden. Das Original muss anschließend oft nur noch aus gesetzlichen Gründen archiviert werden. Ebenso wichtig ist eine klare Ordnerstruktur. Wenn alle Projekte nach dem gleichen Schema aufgebaut sind, weiß jeder Mitarbeiter sofort, wo Angebote, Pläne oder Rechnungen abgelegt werden. Ein weiterer sinnvoller Schritt ist die digitale Bauakte. Hier werden sämtliche Unterlagen zu einem Bauvorhaben gesammelt – von der Angebotsphase bis zur Schlussrechnung. Ergänzt durch Fotos oder digitale Aufmaße entsteht eine vollständige Dokumentation, auf die berechtigte Mitarbeiter jederzeit zugreifen können. Ein einfaches Praxisbeispiel Ein Gerüstbauunternehmen beginnt zunächst damit, für jedes neue Projekt eine digitale Bauakte anzulegen. Alle eingehenden Unterlagen werden eingescannt und dort gespeichert. Die Mitarbeiter fotografieren Besonderheiten auf der Baustelle und legen die Bilder ebenfalls im Projekt ab. Stundenzettel werden regelmäßig digital erfasst und den jeweiligen Baustellen zugeordnet. Schon nach kurzer Zeit zeigt sich der Nutzen. Rückfragen von Kunden können schneller beantwortet werden, Unterlagen müssen nicht mehr gesucht werden und die Rechnungsstellung erfolgt deutlich zügiger, weil alle notwendigen Informationen vollständig vorliegen. Fazit Der Weg zum digitalen Büro beginnt nicht mit einer großen Umstellung, sondern mit vielen kleinen Verbesserungen. Wer Papier schrittweise reduziert und wichtige Unterlagen digital organisiert, spart Zeit, verbessert die Übersicht und schafft zuverlässigere Abläufe. Gerade im Gerüstbau, wo Büro und Baustelle eng zusammenarbeiten müssen, können digitale Prozesse den Arbeitsalltag deutlich erleichtern. Dabei geht es nicht darum, Bewährtes vollständig zu ersetzen. Ziel ist vielmehr, Informationen schneller verfügbar zu machen und den organisatorischen Aufwand nachhaltig zu reduzieren. 19 04 / 2026 DIGITALISIERUNG Anzeige IT Team Six GmbH, René Piel Auf der Heide 25, D-53804 Much Tel. +49 157 92360020 info@it-teamsix.de • www.it-teamsix.de
20 04 / 2026 Arbeitsrecht-Reform 2026 Arbeitgeber sollten jetzt prüfen – aber nicht vorschnell handeln Die angekündigte Arbeitsrecht-Reform 2026 sorgt in vielen Unternehmen für Diskussionen. Krankschreibung ab dem ersten Tag, längere Befristungen, erleichterte Trennungen von Hochverdienern und steuerliche Anreize bei Abfindungen klingen nach erheblichen Änderungen. Entscheidend ist jedoch: Das Reformpaket ist derzeit noch kein geltendes Recht. Arbeitgeber sollten deshalb nicht auf Schlagzeilen reagieren, sondern prüfen, welche Möglichkeiten bereits heute bestehen und welche Punkte erst nach einem konkreten Gesetzestext belastbar bewertet werden können. Die Strategie: Politische Ankündigungen von echtem Handlungsbedarf trennen Für Arbeitgeber kommt es jetzt auf eine nüchterne Einordnung an. Nicht jede Reformidee erfordert sofort neue Arbeitsverträge, neue Kündigungsstrategien oder geänderte Personalrichtlinien. Sinnvoll ist eine rechtliche Bestandsaufnahme: Was kann der Arbeitgeber bereits heute wirksam regeln? Wo bestehen Lücken in Verträgen und Prozessen? Und wo wäre vorschnelles Handeln sogar riskant? Reformpaket ist noch keine neue Rechtslage Die Arbeitsrecht-Reform 2026 ist nach derzeitigem Stand eine politische Ankündigung. Bis zu einem verbindlichen Gesetz können Inhalte noch geändert, abgeschwächt oder gestrichen werden. Arbeitgeber sollten daher keine Personalentscheidungen auf bloße Reformüberschriften stützen. Zwischen Ankündigung und Gesetz liegen regelmäßig mehrere Schritte: Entwurf, Anhörung, Kabinettsbeschluss, Bundestag, Ausschussberatungen und gegebenenfalls Bundesrat. Erst der endgültige Gesetzestext zeigt, ob und wie Arbeitsverträge, Kündigungsprozesse oder Befristungsmodelle angepasst werden müssen. Krankschreibung ab dem ersten Tag: Schon heute möglich Besonders viel Aufmerksamkeit erhält die angekündigte Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag. Für Arbeitgeber ist wichtig: Eine solche Regelung ist in vielen Fällen schon nach geltendem Recht möglich. Arbeitgeber können bereits heute verlangen, dass Beschäftigte die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag vorlegen. Das kann im Arbeitsvertrag, durch Betriebsvereinbarung oder im Einzelfall geregelt werden. Entscheidend ist eine klare Trennung zwischen Krankmeldung, Nachweispflicht und innerbetrieblichen Abläufen. Befristung: Mehr Spielraum bleibt vorerst Zukunftsmusik Diskutiert wird auch eine Ausweitung der sachgrundlosen Befristung, etwa auf längere Zeiträume und mit mehr Verlängerungsmöglichkeiten. Für Arbeitgeber klingt das attraktiv, insbesondere bei Neueinstellungen, Projektarbeit oder unsicherer Auftragslage. Noch gilt aber die bisherige Rechtslage. Befristungen bleiben formell anspruchsvoll. Fehler bei Schriftform, Vertragsbeginn, Verlängerung oder Vorbeschäftigung können dazu führen, dass ein eigentlich befristetes Arbeitsverhältnis als unbefristet gilt. Arbeitgeber sollten daher bestehende Befristungsmuster prüfen, aber keine künftige Lockerung vorwegnehmen. Kündigungsschutz für Hochverdiener: Keine Grundlage für neue Trennungsstrategien Ein weiterer Reformpunkt betrifft Beschäftigte mit hohem Einkommen. Diskutiert wird eine erleichterte Beendigung des Arbeitsverhältnisses gegen Abfindung, wenn bestimmte Einkommensgrenzen überschritten werden. Für Arbeitgeber wäre das ein erheblicher Systemwechsel. Derzeit darf eine Kündigung nicht allein auf die Erwartung gestützt werden, dass künftig für bestimmte Gehaltsgruppen weniger Bestandsschutz gelten könnte. Kündigungen müssen weiterhin nach geltendem Recht vorbereitet, begründet und beweissicher zugestellt werden. RECHT www.spezialgeruestbau.gmbh Anzeige
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